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  • „Religiöses Trauma Syndrom“, Teil 2: Was der Begriff beinhaltet

Für Menschen, die einen körperlichen Missbrauch erlebt haben, ist es die schlimmste Strafe, wenn ihr Leid bagatellisiert wird oder wenn andere sogar eine Mitschuld vermuten – entweder öffentlich oder hinter vorgehaltener Hand.

Menschen mit RTS sehen sich mit den verschiedensten Formen dieser Situation konfrontiert – oder einem totalen Unverständnis ihrer Situation bezüglich, wenn sie das ganz normal Leben um sich herum betrachten:

  • Es ist für jedermann verständlich, dass jemand Probleme bekommen kann, der sexuell missbraucht wurde, und dass sexuelle Symbole alte Ängste triggern können. Gleichzeitig kommt aber niemand auf die Idee, dass christliche Symbole (Kreuze als Schmuck, auf Gipfeln, am Wegrand) eine ähnliche Reaktion bei einem RTS-Betroffenen hervorrufen.
  • Es gibt umfangreiche Bemühungen, dass Opfer von Gewalt oder Missbrauch mit höchster Sensibilität befragt werden, um das Leid nicht zu verschlimmern. RTS-Opfer sollen“bitte das Kind nicht mit dem Bad ausschütten“
  • Innerhalb der christlichen Gemeinschaft wird ein „Aussteiger“ ausgestoßen, geächtet oder als „vom Teufel verführt“ definiert. Depressionen und Ängste gelten als „dämonische Angriffe“ oder als „Ergebnis eines selbstsüchtigen Lebens“. Persönliches Elend ist dann etwas, für das man selber die Schuld trägt. Hilfe wird es nur geben, wenn man um Vergebung bittet – am besten öffentlich vor der Gemeinde.
  • Im neuen Umfeld (außerhalb christlicher Kreise) kann man in keinster Weise nachvollziehen, warum jemand überhaupt unter solchen „merkwürdigen“ Gedanken leiden kann.
  • In vielen Bereichen unserer Gesellschaft gelten religiöse Gemeinschaften als Ort der Hilfe: Z.B. für Alkohol- oder Drogen-Abhängige, in Trauer-fällen, in Krankheitsfällen, oder bei allgemeinen Problemen durch die Seelsorge. Fachleute aus der Medizin und der Psycho-therapie gehen davon aus, dass Religion an sich eine heilsame Wirkung hat. Ein RTS-Betroffener sieht, dass das, was ihm das Leben kaputt macht, anderen hilft. Wieder liegt eine Schuld beim Opfer.
  • Taten von Gewalt-Verbrechern werden auf´s schärfste verurteilt. Die Taten innerhalb einer Religion werden an Feiertagen gefeiert.
  • Aussteiger aus Religionsgemeinschaften schreiben in Foren, Social Media und Büchern über ihren Ausstieg – und gleich im Anschluss von einer neuen Freiheit, die sie nun durch eine neue Interpretation der Bibel gefunden haben. Sie kennen jetzt den“richtigen Weg“ oder den „richtigen Gott“. Der RTS-Betroffene hat also wieder etwas „nur falsch verstanden“
  • Religiöse Kreise bieten aktiv eigene Beratung für Aussteiger aus fundamentalistischen Sekten oder Freikirchen an, ohne überhaupt die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass der Glaube, der ihnen selber den Halt gibt, für den RTS-Betroffenen die eigentliche Qual ist.
  • Missbrauchsopfer „normaler Kategorie“ sehen im Vergleich ihr eigenes Leid als wesentlich schlimmer an – und der RTS-Betroffene kann dem nichts entgegensetzten, ohne sich zu tiefst zu schämen. Und er lebt still mit seiner Angst weiter, nach seinem Tod für immer in einer Feuerhölle gequält zu werden – ohne Aussicht auf ein Ende!
  • Wer als Kind in einer Familie mit häuslicher Gewalt aufgewachsen ist, erhält Mitleid und häufig auch Hilfe aus der Gesellschaft. Ganze Organisationen haben sich darauf spezialisiert. Ein Mensch, der Jahrzehnte unter den Folgen einer Religion leidet, wird belächelt wie jemand, der noch Angst vor dem Nikolaus hat.
  • Therapeuten sind mit RTS häufig überfordert, allein aufgrund fehlenden Wissens. Es ist nicht selten, wenn Patienten zu einer Anlaufstelle innerhalb der Kirche geschickt werden. Ebenfalls nicht selten ist der Therapeut selber Christ oder hat zumindest eine positive Haltung zu religiösen Werten und will den Patienten ermutigen, zum Glauben zurück zu finden. Für den Patienten ist das ähnlich einer Rückführung zu einer gewalt-bereiten Familie.
  • Wenn die Gesellschaft von Missbrauchsopfern hört, hört sie hin – wenn sie von den Problemen eines RTS-Betroffenen hört, zuckt sie mit den Schultern, weil Religion doch nicht wirklich schlecht ist.
  • Ich übertreibe maßlos und schere alles über einen Kamm und werde dem Thema Religion nicht gerecht? OK, das wäre dann der Punkt 13

Gib dich nicht auf!!!
Und freu dich auf die nächsten Teile…

 

Mach aus deinem Leben ein Meisterwerk,

 

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