Kurze Beiträge zu knackigen Themen

Kategorie(n): For Beautiful Minds 

Es gab eine interessante Rückfrage zu meinem letzten Video, zu der ich gerne etwas sagen möchte.

In dem Video ging es darum, wie wir mit Vorwürfen von Menschen umgehen können, die aus unserem ehemaligen Glaubensumfeld kommen, von dem wir uns entfernt oder gar getrennt haben.

Es gab dazu ein Workbook zum Download, in dem ich eine Methodik vorgestellt habe, wie ich mich auf solche Situationen vorbereiten kann, damit sie ihre Komplexität verlieren - und ich gleichzeitig auch nicht so angreifbar bin.

Es ging mir darum, wie ich mit gut gewählten Worten bei einem schwierigen Gespräch oder auch einem Vorwurf die Gesprächsführung behalte, auch wenn ich innerlich vielleicht noch gar nicht so sicher bin.

Jetzt habe ich eine Mail erhalten mit der berechtigten Frage, was wir denn tun können, wenn die anderen nicht nur in ihrer Argumentation sicherer sind, sondern auch in ihrer Person:

Eine junge Frau schreibt mir das: "Ich habe einfach nicht die innere Stabilität, ein solches Gespräch zu führen - ich bin immer schon beim ersten Gegenwind eingeknickt. Ich habe es ja nie gelernt, meine eigene Meinung zu sagen. Wenn ich jetzt mit solchen Formulierungen komme, merken die anderen ja sofort, dass das nicht ich bin. Und dann wird wieder dieses 'Ach Kind, was machst du da nur' kommen. Und irgendwie fühle ich mich mit dieser Art von Antworten selber auch nicht wirklich wohl".

Ich glaub’, das ist ein richtig gutes Beispiel für einen typischen inneren Dialog, den wir da in uns führen. Und er hört sich ein ganz klein wenig danach an, als wenn diese ganzen gut-überlegten Argumente bereits kamen, bevor man mit dem Workbook angefangen hat zu arbeiten - richtig?

Zumindest wäre das die typische Arbeitsweise unseres Gehirns: Es muss uns ja vor einer anstehenden Veränderung entsprechende Gedanken präsentieren, um uns von einer solchen abzuhalten. Denn jede Form einer Veränderung bedeutet Unsicherheit. Wenn dagegen alles so bleibt wie es ist, dann mögen wir zwar unter der Situation leiden, aber wir müssen unsere Rolle in dieser Gesellschaft eben nicht verlassen, was aus der Sicht unseres Gehirns zum einen Aufwand und zum anderen Gefahr bedeuten würde.


Natürlich fühlt sich das ungewohnt an. Und vielleicht sitzt du auch generell gerade in diesem Zwiespalt zwischen dem Wunsch nach Sicherheit auf der einen Seite und dem Wunsch nach Autonomie auf der anderen Seite sitzen. Und wenn das 2 Tiger wären, die in uns miteinander kämpfen, dann wird der gewinnen, den wir füttern. Oder aber ich füttere beide immer so ein wenig, damit keiner verliert und keiner gewinnt - und dann bleibt es eben ein dauernder Kampf, der aber deine Kraft kosten wird.


Ich will aber auch gerne noch ein paar weitere Gedanken und Ideen mitgeben:

  1. Dass du nicht argumentieren kannst, stimmt ja nicht wirklich: Du hast in dem Mail bewiesen, wie es gehen kann: Klare Ansagen mit Erfahrungswerten, eine innere Logik, ein Blick in eine mögliche Zukunft und eine exzellente Zusammenfassung. Argumentieren kannst du! Jetzt musst du nur noch lernen, diese schlummernde Begabung in eine für dich neue Richtung zu entwickeln
  2. Ich habe von einer jungen Frau gehört, die sich für einen solchen Anlass sogar extra hübsch gemacht hat: Tolle Klamotten, schicke Frisur, etwas Make-up - also Dinge, die in der Gemeinde nie wirklich erlaubt waren - oder zumindest als völlig unbedeutend bewertet wurden. Und sie hat das mit aus dem Grund gemacht, weil bei diesem Treffen auch Jugendliche kommen würden, denen sie eine gesunde andere Welt präsentieren wollte. Sie hatte damit für sich ein höheres Ziel definiert, das eine ganz unglaubliche Kraft freisetzen kann.
  3. In deinem Mail wimmelt es von Glaubenssätzen. Man könnte auch sagen, es ist ein einziger großer Glaubenssatz. Und das Tolle an Glaubenssätzen ist: Man kann sie umkehren. Und die meisten, die das tun, erleben dabei eine regelrechte Überraschung. Ich hab dir hier ein älteres Video verlinkt, wie du das mit der Methode von Byron Kathy ganz systematisch tun kannst. Alles, was du brauchst, ist Papier und Bleistift - und ein wenig Neugierde.

 

Und auch für den Umgang mit Vorwürfen brauchst du nur Papier und Bleistift. Heißt: Du musst anfangen, dich diesem Prozess auszusetzen. Ganz bewusst ist das Workbook so aufgebaut, dass ein Denkprozess mit mehreren Arbeitsschritten erforderlich ist. Erst durch solche Schritt-für-Schritt-Prozesse verlieren diese Gespräche ihre Komplexität für uns. Es ist dann so, wie wenn unser Gehirn unterwegs eine Form von Spaß an diesem Vorgang findet - fast wie bei einem Spiel.

Eine andere Zuschauerin hat mir geschrieben, dass sie ihre neue Art zu Antworten zuerst mal bei ihrem Hund ausprobiert hat, weil der wohl auch immer so vorwurfsvoll bellt. Und das(!) ist wirklich sehr clever, weil ich mich auf diesem Weg an meine neuen Vokabeln gewöhnen kann - und gleichzeitig auch an meine neue innere Haltung.

Es muss aber auch nicht der Hund sein, es darf auch der Freund oder der Partner sein, mit dem wir üben können - und ich hoffe, dass ich von denen dann nicht zu viele Vorwürfe bekomme. 

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Ich hoffe, du konntest heute ein paar Impulse für dich finden, wie du dieses Thema für dich anpacken kannst.

 

Mach’s gut bis zum nächsten Mal und Tschüss,

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