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  • „Religiöses Trauma Syndrom“, Teil 4: Welche Rolle unser Körper dabei spielt

es ist zum Haare-Raufen: gerade der „Teil“, der in unserer religiösen Vergangenheit oft am meisten missachtet oder gar bekämpft wurde, spielt nun eine ganz entscheidende Rolle in der Bewältigung des religiösen Traumas: unser Körper.

Das Dilemma bei einem religiösem Trauma ist, dass Betroffene ihren Körper eben oft schon durch die religiöse Lehre an sich eher negativ betrachten und ihm nur wenig Aufmerksamkeit schenken.

Wird der Glaube jedoch traumatisch erlebt, verstärkt sich dieser Aspekt noch einmal durch das „Wesen“ von Trauma in Form einer Art Abspaltung, weil der Körper nun der Hort von Schmerzen und Ängsten geworden ist.

Aber wir sind dieser Körper. Die Idee, dass unser Kopf in irgendeiner Weise von unserem Körper getrennt ist, ist eine Illusion.

Und alles, was wir erlebt haben, führte zu einer Prägung im Körper:
Wenn wir in unsere Kindheit mit Schuld, Erbsünde und einer möglichen Hölle geprägt wurden, hatte das zu Auswirkungen in unserem Körper geführt!

Unser Körper reagiert auf derartige Gefahren ganz automatisch mit der Ausschüttung von Botenstoffen (z.B. Adrenalin und  Histamin).

Er unterscheidet nicht zwischen einer körperlichen Gefahr (z.B. der Zug, der mich überfahren könnte) und einer mentalen Gefahr (die Bestrafung in einer Hölle): Er bereitet mich blitzschnell darauf vor, dass ich körperlich reagieren kann: zum Beispiel durch Wegrennen.

Nur dass ich vor einer mentalen Gefahr nicht wegrennen kann. Wir empfinden unsere Situation aus diesem Grund auch oft so „ausweglos“.

Wir ziehen uns mental zurück – und die Anspannung bleibt im Körper.

Viele Menschen finden in einem Glauben einen gesunden Wechsel „zwischen Sünde und Vergebung“. Auf unser Nervensystem übertragen hieße das „zwischen Anspannung und Entspannung“:
Durch die Erkenntnis einer Schuld und der Androhung einer Bestrafung wird mein Nervensystem extrem angespannt. Durch die Möglichkeit der Vergebung wird dann wieder eine Entspannung angeboten. Es ist bezeichnend, dass bei diesem Vorgang zu einer körperlichen Entspannung aufgerufen wird: dem Lobpreis! Auf diese Weise kann die Energie, die sich durch die Anspannung im Körper angesammelt hat, wieder entladen werden.

Diesen Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung macht ein “gesundes Nervensystem” ganz automatisch. Wir bewegen uns den ganzen Tag in diesem Auf und Ab. Und normalerweise bewegen wir uns dabei in einem individuellem Rahmen, den wir akzeptieren können und mit dem wir zurecht kommen. Diesen Rahmen bezeichnet die Psychologie als das „Window of Tolerance“. Bei einem religiösem Trauma wurde dieser Rahmen über einen längeren Zeitraum überlastet.
Es ist dann so, als wenn der Zug permanent in einer Entfernung von 10 Metern auf dich zurollt – und du nicht weglaufen kannst.

Wir bleiben quasi in diesen reflexartigen Abläufen und viele Betroffene erleben es so, dass auch der Reflex zur Flucht wie „eingefroren“ ist. Dieser Zustand bleibt im Körper stecken als ein nicht zu ende geführter Bewegungsablauf. Der Körper hat quasi nie einen Schlusspunkt erhalten, so dass er sich wieder entspannen konnte.

Wenn wir ein religiöses Trauma „beenden“ wollen, sind wir gut beraten, unseren Körper mit einzubeziehen, der vielleicht seit sehr vielen Jahren diese hohe Energie hält.

Das schöne ist: Alle „Arbeit“, die ich jetzt in die Hilfe für meinen Körper stecke, wird mir in kürzester Zeit mit Dank quittiert.

Und bevor es im nächsten Teil um konkrete Schritte und ein „wie“ geht, kann ich ja schon mal mit einem „Danke Körper“ starten:

  • „Danke, dass du mich bis jetzt beschützt hast“
  • „Danke, dass du Ressourcen hast, die ich jetzt entdecken kann“
  • „Danke, dass ich noch da bin“

Mach aus deinem Leben ein Meisterwerk,

 

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