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  • „Religiöses Trauma Syndrom“, Teil 6: Wie Heilung „gelingt“

Als ich nach Auswegen aus meiner Angst gesucht habe, habe ich mich oft so gefühlt, wie wenn ich heute nach einer Lösung für ein x-beliebiges Problem bei Google und Youtube suche: Manchmal findet man gar nichts, und manchmal findet man so viele „Treffer“, dass man nicht weiß, was man jetzt damit anfangen soll. Und so wird die Suche nach der Problemlösung wieder nur ein neues Problem.

Die Lösung beim Googeln ist: zuerst die Suche verfeinern – eingrenzen – genauer beschreiben, was man will. Und wenn es immer noch nicht hilft, dann muss man irgendwo „einsteigen“, Erfahrungen machen, ggf. etwas verwerfen und etwas neues ausprobieren.

 

Wie meine Heilung „gelang“:

Ich war Ende 30 und hatte seit ca. 5 Jahren regelmäßige Angstattacken. Etwa dieser Zeit kam eine neue Angst hinzu: Die Angst, dass sich nichts ändern würde. Dass ich irgendwann auf dem Sterbebett liegen würde und immer noch panische Ängste vor der Feuer-Hölle hätte. Nur, dass ich dann keine Zeit mehr hätte, mich mit meinem Problem zu beschäftigen – und wer weiß, ob ich dann nicht irgendwelche Medikamente erhalten würde, die mir ein klares Denken erschweren würden.

Ich kann es nicht anders sagen: dieses Bild erzeugte einen derartigen Antrieb in mir, dass ich einen ganz anderen Weg eingeschlagen habe:

  • Kein passives Abwarten mehr in der Hoffnung, dass die Ängste „irgendwann“ und „irgendwie“ von alleine aufhören oder sich gar „auflösen“
  • Keine Versuche mehr, Glauben, Bibel, Gott und Religion einfach anders zu interpretieren oder in einer anderen Organisation neu zu entdecken

Ich sah ein, dass ich in einer so großen gedanklichen Sackgasse sitze, dass ich nicht mehr herausfinde. Dass ich keine Antworten finden würde, solange sich bei meinen Fragen Angst entwickelt. Dass ich auf diesem Weg nicht glücklich werden kann. Und dass ich jetzt anfangen muss, mich mit meiner Angst zu beschäftigen – unabhängig von meinem Glauben.

 

Meine Heilung begann, als ich zuließ, religiöse Themen nicht beantworten zu müssen – UND ich faszinierende neue Themen fand.

Es war, als ob mein Kopf die Chance gekommen hatte, sich zu „erholen“. Und ich war neugierig auf Themen, die sich um die Prozesse in meinem Kopf drehten.

Ich suchte (mal bewusst und mal unbewusst) nach Themengebieten, wo es um die Macht meiner Gedanken ging:

  • Ich konnte in meiner ganz normalen Arbeit lernen, wie man seine Stärken findet und sie entwickeln kann – und welchen Einfluss meine Gedanken dabei haben
  • Ich fand im Sport wunderschöne Situationen, wo ich auf eine spielerische Weise lernen konnte, wie hilfreich oder wie hinderlich mir meine Gedanken werden können – und wie sehr mich in diesem Prozess mein Körper unterstützt
  • Ich konnte in meiner Beziehung lernen, wie wichtig es ist, andere Gedanken zuzulassen

Es war gar nicht so geplant, aber heute sage ich, dass es diese kleinen Bausteine waren, die in meinem Leben kontinuierlich ein neues Fundament legten.

Und ich war ein wenig erstaunt, dass jetzt eine Zeit begann, in der die Phasen, in denen ich keine Angstattacken erlebte, immer größer wurden – und dass, wo ich mich doch gar nicht um meine religiösen Fragen gekümmert hatte. Gleichzeitig wurden die Zeiten der Angstattacken selber immer kürzer und ebenso die Phasen, in denen ich mich von der Angstattacke „erholen“ musste.

 

Wenn ich heute gefragt werden, wie Heilung gelingen kann, empfehle ich genau diesen Weg:

  • trenne die ungelösten religiösen Fragen von dem Problem mit der Angst.
    Das muss nicht immer so radikal sein wie bei mir. Manchmal hilft es schon, sich einen Raum zu schaffen, in dem man andere Erfahrungen sammeln kann
  • beobachte im Alltag ganz neugierig, welchen Einfluss deine Gedanken und deine inneren Dialoge auf das nachfolgende Szenario in deinem Leben haben
  • probier es aus, wie sich dein Leben verändert, wenn du eine Zeitlang wohlwollendere und positivere Gedanken über dich und deine Zukunft zulässt
  • und wenn du den Eindruck gewonnen hast, dass deine Gedanken deine Zukunft verändern, dann fang an, diesen Prozess zu trainieren

 

Heilung gelingt wie in einem Trainingscenter: Die „Bewegungen“, die du in den großen Herausforderungen, Fragen und auch Kämpfen machen musst, kannst du in einer neutralen Umgebung studieren und trainieren – und darin immer besser werden.

Und dann darf passieren, womit ich meine Texte oft enden lasse: Dann machst du aus deinem Leben ein Meisterwerk.

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