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  • „Religiöses Trauma Syndrom“, Teil 5: Was ich unter „Heilung“ verstehe
Ich sage manchmal etwas provokativ, dass ich gar nicht an eine „Heilung“ glaube – weil ich nicht daran glaube, dass jemand mit einem Religiösem Trauma Syndrom automatisch auch „krank“ ist. „Krank“ sind wir, wenn unsere Organe oder unsere Psyche eine „Funktionsstörung“ haben (etwas verkürzt nach Wikipedia).
Ich bin aber zutiefst davon überzeugt, dass unser Körper und unsere Psyche sehr häufig einfach nur alles richtig gemacht haben. Wir waren “nur” lange in einer Situation, in der uns unser Körper vor einer Schädigung geschützt hat.

Entwicklungstrauma

Es ist vergleichbar mit den Erkenntnissen aus der Traumatherapie – im speziellen dem Entwicklungstrauma: “𝘜𝘯𝘵𝘦𝘳 𝘌𝘯𝘵𝘸𝘪𝘤𝘬𝘭𝘶𝘯𝘨𝘴𝘵𝘳𝘢𝘶𝘮𝘢 𝘷𝘦𝘳𝘴𝘵𝘦𝘩𝘵 𝘮𝘢𝘯 𝘦𝘪𝘯𝘦𝘯 𝘩𝘰𝘤𝘩𝘧𝘳𝘦𝘲𝘶𝘦𝘯𝘵 𝘴𝘵𝘳𝘦𝘴𝘴𝘪𝘨𝘦𝘯 𝘓𝘦𝘣𝘦𝘯𝘴𝘢𝘣𝘴𝘤𝘩𝘯𝘪𝘵𝘵, 𝘸𝘪𝘦 𝘻𝘶𝘮 𝘉𝘦𝘪𝘴𝘱𝘪𝘦𝘭 𝘥𝘪𝘦 𝘒𝘪𝘯𝘥𝘩𝘦𝘪𝘵, 𝘰𝘥𝘦𝘳 𝘦𝘪𝘯𝘦 𝘉𝘦𝘻𝘪𝘦𝘩𝘶𝘯𝘨, 𝘪𝘯 𝘥𝘦𝘳 𝘔𝘦𝘯𝘴𝘤𝘩𝘦𝘯 𝘷𝘪𝘦𝘭 𝘨𝘦𝘥𝘦𝘮𝘶̈𝘵𝘪𝘨𝘵 𝘰𝘥𝘦𝘳 𝘨𝘦𝘴𝘤𝘩𝘭𝘢𝘨𝘦𝘯 𝘸𝘦𝘳𝘥𝘦𝘯.” (Dami Charf)
RTS-Betroffene haben oft bereits in ihrer Kindheit und über einen langen Zeitraum in dieser Spannung gelebt, dass sie, wenn sie nicht richtig an Gott glauben (was auch immer das bedeuten soll), mit einer ewigen Hölle bestraft werden. So wurde genau dieser hochfrequente und stressige Lebensabschnitt erlebt – und der Körper hat “richtig” darauf reagiert (siehe auch den Teil 4 “W𝘦𝘭𝘤𝘩𝘦 𝘙𝘰𝘭𝘭𝘦 𝘶𝘯𝘴𝘦𝘳 𝘒𝘰̈𝘳𝘱𝘦𝘳 𝘥𝘢𝘣𝘦𝘪 𝘴𝘱𝘪𝘦𝘭𝘵”)
Es geht mir also nicht darum, Probleme aus der Vergangenheit „aufzulösen“ (was immer mit diesem Begriff gemeint sein soll) oder zu reparieren – weil vielleicht gar nichts kaputt ist.
Der Blick in die Vergangenheit kann mir meine aktuelle Situation vielleicht näher bringen und erklären – gleichzeitig birgt er aber auch die große Gefahr (gerade, wenn ich mich alleine damit beschäftige), dass ich von den vergangenen Erlebnissen überfallen werde. Erinnern wir uns daran, dass unser Gehirn die Gedanken “bevorzugt”, die wir über einen langen Zeitraum gedacht haben – und leider ist eine Angst-Situation für unser Gehirn auch kein schlechtes Ziel (wir überleben damit…).

Heilung

Wenn ich aber trotzdem heute von Heilung spreche, dann meine ich damit einen Zustand, in dem ich nicht mehr leide. Im Idealfall habe ich es geschafft, meine Vergangenheit zu integrieren – vielleicht sogar, eine Art Verbindung zwischen dem vergangenen Leid und meinem ganz persönlichen Glück gefunden zu haben.

Wir kennen es von unserem Körper, dass er die Fähigkeit besitzt, eine verletzte Stelle (z.B. einen Knochenbruch) nach einer Heilungsphase sogar belastbarer als vorher zu machen. Unsere Psyche hat ähnliche Fähigkeiten:

Wir sehen es bei Menschen, die trotz (oder wegen???) einer traumatischen Vergangenheit ein sogar überdurchschnittlich glückliches Leben führen. Wenn diese Menschen von ihrer Vergangenheit reden, kann man manchmal sehen, wie schwer sie sich tun, diesen “Zustand” in Worte zu fassen, weil sie Leid und Unrecht auf der einen Seite natürlich verurteilen – auf der anderen Seite aber auch sehen, dass sie ohne diese ganz persönlichen Erlebnisse nicht zu dem geworden sind, was sie heute sein können. 𝗗𝗮𝘀 𝘃𝗲𝗿𝘀𝘁𝗲𝗵𝗲 𝗶𝗰𝗵 𝘂𝗻𝘁𝗲𝗿 “𝗜𝗰𝗵 𝗯𝗶𝗻 𝗴𝗲𝗵𝗲𝗶𝗹𝘁”.

Neue Sprache

Und ich vergleiche den Prozess der Heilung gerne mit dem Vorgang, eine neue Sprache zu erlernen. Nehmen wir das Beispiel Italienisch, weil du den Klang der Sprache liebst und in kürze in diesem Land leben willst. Am Anfang ist es für dich völlig unverständlich, wie man sich in dieser schnellen Sprache unterhalten kann. Und du musst lernen, dass auch deine Handbewegungen zur richtigen Verständigung zwingend notwendig werden. Aber es ist für dich ebenso vollkommen logisch, dass es “funktionieren” wird – und schon nach kurzer Zeit gehst du mit ein paar auswendig gelernten Sätzen (die du noch nicht einmal richtig verstehst) zu deinem Lieblings-Italiener und bestellst deine erste Pizza auf italienisch per favore. Und auch, wenn der Kellner komisch grinst: es wird funktionieren.
Die Herausforderung ist, die richtigen Vokabeln zu finden.
In diesen Coachingbriefen und der Serie über das Religiöse Trauma Syndrom habe ich ein paar Vokabel und Gramatikregeln aufgeschrieben. Ob es die richtigen für dich sind, kannst du dir nur selber beantworten.
Manchmal erkennt man es, wenn man immer wieder gerne „zurückkommt“, oder wenn sich „irgendetwas in mir tut“.
Oder wenn es kribbelt!
Kribbeln ist für mich eines der wirklich großen und schönsten körperlichen Reaktionen, die ich nicht mehr missen will.
Kribbeln stellt sich ein, wenn ich vor einem richtigen Weg stehe. Und ich darf definieren, was dieser richtige Weg ist.

Mach aus deinem Leben ein Meisterwerk,

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