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Wissen: "Angst vor der Hölle"


Die Angst vor der Hölle
Oder: "Was ist, wenn ich einen großen Fehler gemacht habe?"

In unserer Kultur ist es nicht unüblich, dass unsere Kinder bereits ab dem 2. oder 3. Lebensalter mit der Angst vor der Hölle konfrontiert werden – und es wird als Tatsache vermittelt:

  • "Ich bin schuldig an einem schrecklichem Foltertod (von Christus)!"
  • "Meine eigene Schuld ist so groß, dass ich eine ewige Hölle verdient habe!"
  • "Selbst kleinste Vergehen - auch nur in Gedanken ausgetragen - sind bereits Sünde!"
  • "Gott sieht auch meine intimsten und schmutzigsten Gedanken!"
  • „Menschen ohne Gott kommen in eine ewige Feuerhölle“
  • „Ich muss aufpassen, dass ich nicht etwas tue, womit Gott nicht einverstanden ist“

Und das ist leider nicht bloß ein "Sektenthema": Diese und ähnliche Botschaften aus der "ganz normalen Bibel" werden in Kindergottesdiensten, im Religionsunterricht, in Jugendgruppen und teilweise als Erziehungsmethode in der eigenen Familie auf verschiedenste Weise transportiert:

  • durch regelmäßiges Singen von Liedern, in denen diese Botschaften in der Ich-Form ständig wiederholt werden, wodurch sich der Inhalt dauerhaft und fest im Gehirn verankert und darüber hinaus mit der Melodie zu einem lebenslangen "Ohrwurm" führt
  • durch Erzählen von Geschichten aus der Bibel, die besonders kindgerecht und spannend aufbereitet wurden, so dass Vorbilder entstehen
  • durch Erzählen von Geschichten aus der Neuzeit, in denen andere Kinder durch einen "schweren Weg" zur "Erlösung" kommen und (nur) so die Liebe Gottes erfahren
  • durch Rollenspiele, in denen Kinder sogar den Leidensweg Christi nachspielen, um so ein möglichst "tiefes Verständnis" zu schaffen, was Jesus für dieses "sündige Kind" getan hat

Das Ganze wird von "vertrauenswürdigen" und "guten" Menschen begleitet und liebevoll vermittelt. Und es geschieht zu einer Zeit, in der sich das Wertesystem des Kindes entwickelt. Durch ständige Wiederholungen und einer "Bedienung" der unterschiedlichen Kanäle (wie oben geschildert) entstehen extrem viele und feste synaptische Verbindungen, so dass diese Gedankenfolgen später unreflektiert und automatisch ablaufen - eine kritische Betrachtung findet nun nicht mehr statt.

Bei den einen entwickelt sich später ein "fester Glaube", bei anderen auch eine Art "Volksglaube". Viele legen diesen Glauben auch einfach ab und kümmern sich nicht mehr um das, was sie als Kind einmal geglaubt haben. Und über all diese Gruppen hinweg gibt es die ungezählte Menge, bei denen sich Depressionen und Ängste bis hin zu Panikattacken entwickeln.

Angst vor der Hölle als Folge religiöser Prägung

Viele Menschen, die solche Ängste nicht kennen oder sie nicht zugeben (können), entgegnen oft entrüstet "Blödsinn! Das mit der Hölle glaubt heute in unserer säkularisierten, aufgeklärten Welt doch keiner mehr". Das führt aber bei einem Betroffenen nur zu einem weiteren Problem: Scham.

"Es ähnelt dem Gefühl, als wenn ich zugeben müsste, dass ich noch an den Osterhasen glaube" sagt mir ein erwachsener Mann vorsichtig - und schaut mir dabei ganz kurz in die Augen, um meine Reaktion abzulesen. Und das ist leider gar nicht so lustig, wie es sich anhört, denn ein Lächeln über diesen Vergleich verstärkt die Scham um ein Vielfaches und führt in eine scheinbare Ausweglosigkeit.

Menschen mit diesen Angstattacken vor dieser ewigen Verdammnis (= Folter und unvorstellbare Qual auf Ewigkeit) sehen oft keine Möglichkeit, sich jemandem anzuvertrauen, und selbst durch einen Suizid könnte man dem Problem nicht entfliehen.

Beispielhafter Ablauf einer "Angst vor der Hölle"


Viele Menschen mit einer religiösen Vergangenheit erleben die "Angst vor der Hölle" wie einen Überfall.
Und automatisch startet eine Gedankefolge:

Man wird im Krankenhaus, bei einem Trauerfall oder einer gefährlichen Situation mit dem Tod konfrontiert.

Oder ganz banal: Man sieht einen besonderen Sonnenstrahl zwischen den Wolken oder einen Regenbogen,

beim Autofahren einen christlichen Autoaufkleber,

beim Wandern ein Gipfelkreuz,

man hört eine Kirchenglocke,

oder man hat einen "Ohrwurm" mit einem Lied aus seinem alten Glauben...

Und schon fängt das Gedanken-Karussell an, sich zu drehen:

Die innere Stimme, die einem einflüstert, dass das jetzt Gottes Stimme ist.

Der Zweifel, ob man alles richtig gemacht hat oder ob man nicht doch auf diese Stimme hören sollte.

Die Angst, was nach dem Leben passieren könnte, weil man so viel im Leben falsch gemacht hast oder man einfach ein Leben ohne Gott führt:

  • Gottes Strafe 
  • ewige Verdammnis
  • Hölle und unvorstellbare Qualen
  • und das für immer!

Das Fatale daran:

Man kann diese Gedankenfolgen nicht anhalten - es ist ein Gedanken-Karussell, das sich dreht und dreht und dreht...

  • es hat sich verselbständigt. 
  • man ist fast gezwungen, weiter darüber nachzudenken (als wenn ein Teil von einem es so will).
  • man ist der Angst schutzlos ausgeliefert!

Die Problematik für unser Gehirn:

Für unseren Bereich gibt es 3 eher „ungünstige“ Arbeitsweisen unseres Gehirns:

  1. 1
    Unser Gehirn kann nicht sehr gut mit dem Thema "Restrisiko" umgehen.
    Es bleibt die Ungewissheit, dass der Glaube doch richtig gewesen sein könnte. Schließlich steht schon in der Bibel, dass der Teufel sehr listig ist und uns Menschen eine Scheinwahrheit präsentiert. In den Gemeinden wird man gerne immer ein wenig angehalten, seinen Überlegungen zu misstrauen...
  2. 2
    Unser Gehirn bevorzugt gewohnte Gedankenmuster
  3. 3
    Für unser Gehirn ist Angst kein schlechtes Ziel

Verstärkt werden diese Punkte durch 2 weitere Gedanken:

  1. 4
    Eine mögliche Strafe Gottes käme erst nach dem Tod und wäre nicht korrigierbar!
  2. 5
    Die Konsequenz wäre an Grausamkeit nicht zu überbieten: eine Ewigkeit in unmenschlicher Qual ohne Aussicht auf Änderung.

Das Ergebnis ist oft ein Gedankenkarussell, welches mit einer schrecklichen Angst-Attacke endet: Das Bild einer sehr real erlebten Feuerhölle, aus der es in Ewigkeit kein Entrinnen gibt.