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Wenn wir das Gefühl eines Verrats in uns spüren, bricht etwas in uns zusammen. Und es ist weit mehr als eine Enttäuschung oder ein Zorn.

Eine vormals gute Beziehung wird angegriffen oder sogar zerstört. Jemand, dem ich mein Vertrauen geschenkt habe, hat dieses Vertrauen missbraucht und mir wurde etwas wertvolles weggenommen – oder vorenthalten.

Ich fühle gleichzeitig Wut und Fassungslosigkeit – und oft auch eine ganz eigene Form von Hilflosigkeit.

Viele ehemalige Gläubige fühlen sich enorm verraten, wenn sie sehen, dass andere Menschen z.B. eine viel unbeschwertere Kindheit erlebt hatten:

  • während andere Kinder beim Fussballspielen waren, hat man selber fromme Lieder gesungen
  • während andere Kinder in der Disco waren, hat man selber in christlichen Jugendgruppen darüber nachgedacht, wie Gott, Jesus und Heiliger Geist zusammenhängen
  • während andere sich auch durch „Teenager-Dummheiten“ entwickelt haben, hat man selber für Missionare in Asien gebetet

Man hat so vieles Wichtige verpasst…

Wir erkennen, dass sich unser Leben mit unseren Erlebnissen ganz anders entwickelt hat. Wir erkennen das Defizit, dass wir zu manchen Gefühlen gar nicht richtig in der Lage sind:

  • unbeschwertes Glücklichsein
  • das Zulassen von Nähe
  • Vertrauen

Wir erleben, dass wir nicht mitreden können, wenn andere über „ihre“ Oldies und die „gute alte Zeit“ sprechen – oder ihre ersten tollpatschigen sexuellen Erfahrungen, die sich danach aber entwickeln konnten.

Wir sind wütend über den Missbrauch, in einer Welt der Lügen aufgewachsen zu sein. Wir fühlen uns unserer normalen Kindheit, einer ehrlichen Information und der Möglichkeit beraubt, uns zu entwickeln und zu wachsen. Wir sind verbittert, weil uns beigebracht wurde, dass wir sündig und heilsbedürftig seien, und nie sicher sein können, ob wir es schaffen, „Ihm“ zu gefallen.

Wir sind wütend

  • über die Schrecken der Hölle, die Entrückung, Dämonen, Abfall vom Glauben, unverzeihliche Sünden und die böse Welt
  • weil wir unser Leben Gott gewidmet haben und alles liegen gelassen haben, um ihm zu dienen
  • weil wir uns nie gut oder sicher fühlen durften
  • über den Bruch mit der Familie und der Freunde
  • und darüber, dass den Kindern heute immer noch die gleichen Lehren erzählt werden.

Wir sind verstört über die innere Stimme, die uns sagt, dass wir selbst ja einen Verrat begangen haben: an meinem Glauben, an Jesus, an meinen Freunden, an dem, was mir vielleicht einmal Halt gegeben hat. Es ist ein überaus quälendes Gefühl, gerade dann, wenn wir vieles aus unserer Vergangenheit eben auch positiv erlebt haben. Es fühlt sich an wie eine alte Liebe, die wir aus zweitrangigen Gründen zerbrochen haben.

Wir fühlen uns verraten, verunsichert
und so unsagbar hilflos.

Und dann kennen wir aber auch Heldengeschichten. Vielleicht aus dem Kino, vielleicht aus Büchern. Und vielleicht lieben wir sie gerade deshalb, weil jemand etwas völlig Unrealistisches schafft.

Es ist legitim, sich auch sein eigenes Leben wie eine dieser Heldengeschichten vorzustellen. Nur in Gedanken!
Vielleicht stehst du heute an dem Punkt, wo du als Hauptdarsteller gerade so überlebt hast, viele Verletzungen und Enttäuschungen erlitten hast und erst einmal genesen musst – wie könnte wohl die Überschrift für dieses Kapitel lauten?

Und welche Überschrift wünscht du dir jetzt schon für dein nächstes Kapitel? Was soll in diesem Kapitel passieren?

Und wenn du später in den Kapiteln lebst, wo nach dem Verrat und der Krise irgendwann ein roter Faden erkennbar wird, der sich schon durch dein ganzes Leben gezogen hat – welchen Titel wünscht du dir für dein Buch?

Mach aus deinem Leben ein Meisterwerk,

 

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