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Viele von uns, die wir aus religiösen Kreisen ausgestiegen sind, haben diese Frage schon häufig gehört. Manche haben eine klare Meinung dazu gefunden. Viele stellen sich die Frage aber auch selber in regelmäßigen Abständen und sind verwirrt, weil sie das Gefühl haben, nicht wirklich weiter zu kommen oder sich im Kreis zu drehen.

Wir wissen immer viel besser, was wir nicht mehr glauben (wollen).

Ich erlebe es hier und da befreiend, mit einem anderen über (m)ein Weltbild zu sprechen, welches einen großen unbekannten „Bereich“ enthalten darf. Für mich ist es eine Art friedliche und liebevolle Akzeptanz geworden, die ich mit der Zeit zu diesem Bereich eingenommen habe.

Manchmal ist es aber auch wie auf einem „Minenfeld“ – und schnell hat man mit einem Gedankengang oder einem bestimmten Wort beim anderen etwas ausgelöst, was entweder gleich explodiert oder dich in eine Schublade befördert, aus der du nicht mehr herauskommst. Oft ist auch bei „uns“ Religion immer noch etwas „Trennendes“.

 

Ich will dieser Frage mit einer Aussage auf den Grund gehen, die mich lange Zeit beschäftigt hat: „Es kann bei uns doch jeder glauben, was er will„. Damit wird die äußerst positive Situation in unserer Gesellschaft beschrieben, dass uns niemand zu einem Glauben zwingen darf. Und dass wir dies in unserer Gesellschaft verankert haben, ist ein wertvolles Gut, welches wir uns gegen die Religionen erkämpft haben.

Es berücksichtigt aber leider nicht die Situation einer Prägung, die wir als Kind durch Eltern und unserer ersten Umgebung erhalten haben: Wenn wir in ein Weltbild mit einem Gott und einem Teufel hineingeboren werden, welches durch ständiges Wiederholen von „vertrauenswürdigen“ und „guten“ Menschen vermittelt wird, entstehen extrem viele und feste synaptische Verbindungen in unserem Gehirn, so dass diese Gedankenfolgen später unreflektiert und automatisch ablaufen – eine kritische Betrachtung findet nun seitens Gehirn nicht mehr statt.

Ich habe als Kind geglaubt, weil ich das so erlernt habe. Die Natur treibt mit dem Menschen eine Art „Glücksspiel“, indem sie unser Gehirn unreif in die Welt setzt und es erst durch Erfahrung formt. Das Gehirn von Neugeborenen ist im Verhältnis viel weniger entwickelt als das der meisten jungen Tiere. Alles in allem war diese Strategie erfolgreich: Wir haben jeden Kontinent der Erde besiedelt, das Internet erfunden und sind zum Mond geflogen. Doch wir zahlen dafür auch den Preis, dass wir einen großen Teil „kritiklos“ übernehmen, der uns später einengen, hindern oder sogar schädigen kann. Ich kann also nicht einfach das glauben, was ich glauben will! Ich glaube über einen sehr langen Zeitraum das, was ich aufgrund einer Prägung glauben muss – und sei es nur in Bruchstücken! Der Weg in eine „Freiheit“ ist gar nicht so einfach…

Zu meiner größten Verblüffung während dem Bruch mit meinem Glauben gehörte auch die Erkenntnis, dass die „anderen“ Menschen sich überhaupt nicht mit den Fragen beschäftigten, die ich mir schon mein ganzes Leben gestellt habe. Und dass sie aufgrund dieses „offensichtlichen Defizides“ in keinster Weise unglücklicher oder ängstlicher lebten. Oft war das Gegenteil der Fall!

Das gleiche habe ich gesehen, als ich ihre Bücher gelesen habe. Erstaunlicherweise hatten sie hier und da auch eine Meinung über die Bibel und Gott, aber eben in einer ganz anderen Weise: Sie hatten sich in ihrem Leben Werte erschaffen, nach denen sie lebten und fanden diese Werte durchaus auch bereits in alten Religionen.

„Frei zu leben“ bedeutet für mich heute, nach den Werten leben zu können, die ich mir vorgenommen habe (und das ist etwas anderes, als dass ich tue, was ich will). Es ist vieles dabei, was ich bereits früher wertvoll fand, aber ich betrachte die damalige Quelle nicht mehr als Wahrheit – und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sich meine Werte in 5 Jahren wieder weiterentwickelt haben.

 

Ich hab 2 Tipps für dich, wie du in du in der heutigen Frage weiterkommen kannst:
Tipp 1: Schau dir mit einem offen Geist auch die Menschen an, die in der gleichen Zeit leben wie du, aber ohne Religion aufgewachsen sind. Such nach den Werten, nach denen sie leben und stell dich ihnen.
Tipp 2: Für die Kämpfer: Schau dir Filme an wie „Papillon“ oder „Die Verurteilten“ – und sieh dir an, wie sowohl die Ausbrecher als auch die anderen mit „Ihrem Gefängnis“ jeweils umgegangen sind

Mach aus deinem Leben ein Meisterwerk,

 

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